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 Mit dem Design haben wir gleich am
Anfang ein Statement gesetzt. Es blüht anders.

Eva Eder und Bibiana Weiermayer haben ihr Hotel Blü 2021 mitten ins Gasteinertal gepflanzt. Dort lädt es Gäste dazu ein, sich frei zu entfalten. Auch Design, Texte und Fotos erzählen vom Ankommen und Aufblühen. Und Eva selbst ist der beste Beweis dafür, was dieser besondere Ort mit einem macht.

Bruch Liebe Eva, das Hotel Blü ist stark von dir geprägt. Es ist urban, lebendig und bunt. Auf eurer Website steht, du würdest in jedem Winkel des Hauses stecken. Findest du dich denn auch im Branding wieder?

Eva Eder Ihr habt ja dieses wunderschöne Signet für uns gestaltet: eine aufgehende Knospe. 
Für mich stellt es aber auch ein Elchgeweih dar. Jemand anderes hat darin mal eine Koralle erkannt, was ich sehr spannend gefunden habe, weil mir das überhaupt nicht in den Sinn gekommen wäre. Eine unserer Nachbarinnen hat es für einen Uterus gehalten. Was ich damit sagen will: Man kann unser Logo auf hundert verschiedene Arten verstehen. Und alles davon stimmt! Mir gefällt es so gut, weil auch wir Menschen so vielfältig sind. Jetzt habe ich weit ausgeholt … Zur Frage zurück: Wenn ich die aufgehende Knospe umdrehe, sehe ich eine geerdete Frau – und das bin total ich.

Bruch Du bist 2020 von Wien nach Gastein gezogen. Hast deinen Spitzenjob als Juristin an den Nagel gehängt und stattdessen ein Hotel eröffnet.

Eva Eder Nach Gastein zu ziehen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Bibiana, meine gute Freundin, mit der ich das Blü gemeinsam betreibe, kommt aus der Hotellerie und kennt sich aus. Ich hatte am Anfang keine Ahnung. Ich hatte übrigens auch keine Vorstellungen von Grafikdesign. Für mich als Juristin war der Begriff Marke mit Markenrecht verbunden.

“Ganz ehrlich: 

Das Design bestimmt unser Produkt.
Es ist essentiell!”

Eva Eder, Blü Hotel

Bruch Du wusstest also nicht, worauf du dich einlässt?

Eva Eder Gar nicht! Bibiana meinte gleich zu Beginn, wir brauchen eine Brandingagentur. Gut, da hatte ich dann schon eine Vorstellung: nämlich dass ich nicht so gerne mit einer großen Agentur zusammenarbeiten möchte. Einfach aus dem Grund, weil ich als Anwältin selbst in einer großen Kanzlei gelernt habe und daher weiß, dass man in riesigen Unternehmen von besseren oder schlechteren Konzipienten abhängig sein kann. Ihr seid mir von Freunden empfohlen worden.

Bruch Wir erinnern uns noch gut an die Anfrage. Wir hatten gleich den Eindruck, dass das ein Projekt mit viel Gestaltungsfreiraum werden könnte.

Eva Eder Ihr habt uns auch super durch den Prozess geführt. Was mich am Anfang narrisch gemacht hat, war eure klare Work-Life-Balance.

Logo als Leuchtschrift
Zusatzsignet Knospe

Bruch Wieso das?

Eva Eder Ja, also dass ihr am Wochenende nicht erreichbar seid, in der Mittagspause nicht erreichbar seid, sowas kannte ich nicht. Ich habe früher als Juristin selbst am Pfingstmontag ganz normal 14 verrechenbare Stunden gehabt. Das war für mich ein Lernprozess. Es war auch ein guter Lernprozess, weil das bei meinen Mitarbeitern jetzt ja auch so gehandhabt wird. Aber sonst war alles easy und auch irgendwie witzig. Weil der Josef ja aus unserem Nachbartal kommt – und umgekehrt habe ich einen Bezug zu Lienz, der Heimat von Kurt. Das war irgendwie so als hätte es sein sollen.

Bruch Das Blü ist so etwas wie der Exot unter den Hotels in Gastein. War das von euch beabsichtigt?

Eva Eder Bibi und mir waren von Anfang an ein paar Dinge wichtig: Wir wollten ein Hotel machen, das es hier in Gastein noch nicht gibt. Etwas Urbanes, das gemütlich ist. Mit gutem Essen und Kunst. Mit echtem Holz und echtem Metall. Kein Plastik, das ausschaut wie. Und noch etwas.

Bruch Ja? 

Eva Eder Es gibt Häuser, auch hier in der Gegend, die nur für ihre Blase gemacht sind und dadurch von Vornherein andere ausschließen. Genau das wollten wir nicht.

Bruch Das Blü soll eine urbane Heimat am Land sein. Ein Ort, der wilde Knospen treibt, wie wir es später in den Texten formuliert haben.

Eva Eder Ich weiß noch, mich hat das Wort Blü so überrascht. Der Name kam ja auch von euch. Auf diese Idee wäre ich selbst nie gekommen. Als ich Blü gehört habe, bin ich mir vorgekommen wie in einem Grandhotel in Engadin in der Schweiz, eine ganz positive Konnotation bei mir. Schön! Wobei wir uns zuerst eigentlich für einen anderen Namen entschieden hatten, der es aus rechtlichen Gründen dann aber nicht geworden ist. Jetzt bin ich so wahnsinnig froh, dass es nicht geklappt hat und dass es Blü geworden ist.

Es ist grün im Blü
Bibliothek

Bruch Warum?

Eva Eder Blü erzählt meine persönliche Geschichte. Wie frei mich dieser Beruf macht. Es geht ums nicht Müssen. Sondern ums Können und Dürfen. Dazu passt der Claim: „Bin so frei.“

Bruch Bei unserem Branding ist das so ähnlich: Wir zwingen niemanden dazu, es anzuwenden, aber man kann und darf. Wie ist das bei dir, greifst du im Alltag noch auf das Branding zurück?

Eva Eder Es gibt ja fünf definierte Blü-Farben, die ich liebe, und mit denen arbeite ich zum Beispiel nach wie vor konsequent. Nicht biblisch, weil es nicht immer klappt. Als wir zuletzt etwa nach Fliesen gesucht haben, wir sie aber nirgends in unserem Babyrosa-Ton gefunden haben, haben wir ein anderes Rosa genommen. Wenn ich neue Sonnenschirme kaufe oder wenn ich etwas anderes bestelle, mache ich das in den fünf Farben. Ich habe die Farben auch immer am Handy dabei.

Bruch Die Farben sind natürlich auffällig. Gab es sonst noch etwas, dass dir sofort ins Auge gestochen ist?

Eva Eder Ja, die runde Formensprache. Auch der Schriftzug Blü ist rund. Ich bin ein sehr optischer Mensch und achte vielleicht deshalb eher auf solche Details.

Logo als Teil vom Teppich
Bin so frei

Bruch Mit diesen Formen wollten wir Leichtigkeit transportieren. Bewegung. Im Blü geht es ja auch nicht immer starr und ernst zu.

Eva Eder Weil es mich gibt: den Chief Entertainment Officer. Das habe ich vor Jahren mal irgendwo gelesen und gewusst, das wird einmal mein Titel. Das hat aber auch einen Kern Wahrheit. Denn meine Stimmung spiegelt sich überall wieder, auch im Team und bei den Gästen.

Bruch Das Spielerische greifen wir auch in den Illustrationen auf. Wir arbeiten sehr gerne mit Illustrationen – die standen bei euch in der Prioritätenliste ebenfalls weit oben.

Eva Eder Die Illustrationen waren von uns sogar gefordert, weil wir zuerst keine Bilder hatten, mit denen wir ins Marketing gehen konnten, weil das Hotel noch nicht fertig war. Und da habt ihr uns mit Sebastian Curi einen wirklichen tollen Partner vorgestellt. Der Typ ist Wahnsinn! Ich hab’ mir jetzt von ihm auch ein Porträt von meiner Hündin Poldi machen lassen.

Bruch So etwas freut uns total, weil es genau diese Umsetzungen sind, die ein Branding zu etwas Besonderem machen können.

Eva Eder Weil ihr am Anfang gefragt habt, wo ich im Branding drinstecke: Unser Beitrag, also von Bibiana und mir, war zu sagen, wir wollen mehr. Und noch mehr. Das ist nämlich auch wichtig, glaube ich, dass man als Auftraggeberin zwischendurch nicht sagt: „Scheiße, das kostet schon so viel, das lassen wir lieber alles weg.“

Gutscheinset
Illustration als Teil vom Leitsystem

Bruch Was wir in dem Zusammenhang auch sehr geschätzt haben, war, dass ihr dem Thema Leitsystem so viel Aufmerksamkeit geschenkt hast – und auch dafür im Budget noch etwas übrig hattet.

Eva Eder Mit dem Leitsystem habe ich auch echt eine große Freude. Es ist wirklich ganz außergewöhnlich mit diesen erhabenen Kunststoffschildern und Türnummern. Es ist jedes Mal schön, daran vorbeizugehen. Wobei ich auch zugeben muss, dass wir uns jetzt im laufenden Betrieb mit solchen Ausgaben etwas schwerer tun. Trotzdem war uns klar, dass wir da vor allem am Anfang konsequent dran bleiben müssen.

Bruch Für uns ist so etwas ein Glücksfall. Das hilft uns natürlich sehr, ein stimmiges Gesamtbild zu kreieren, das am Ende gut aufs Markenkonto einzahlt.

Eva Eder Den Eindruck hatte ich auch, das habe ich übrigens als positiv empfunden. Ich habe ich nie das Gefühl gehabt, ihr schlagt uns etwas vor, um uns was zu verkaufen, was wir nicht brauchen. Sondern weil es gut fürs Projekt ist.

Bruch Würdet ihr heute trotzdem etwas anders machen?

Eva Eder Ja, wir haben in der Zwischenzeit die Speisekarten geändert. Sie woanders drucken zu lassen und sie mit Gummibändern an einer Kunststoffplatte zu befestigen, das war für uns im Alltag einfach nicht so gut zu handeln. Wir drucken die Karten jetzt selber, da haben wir auch den Vorteil, dass wir von Woche zu Woche etwas ändern können. Natürlich stecken auch betriebswirtschaftliche Überlegungen dahinter.

Leuchtröhren
Leitsystem

Bruch Das können wir gut nachvollziehen.

Eva Eder Ja, aber es war schon wichtig, dass wir anfangs so ein Statement gesetzt haben: Es blüht anders! Es besteht immer die Gefahr, dass man im Laufe der Jahre normal wird. Aber manche Dinge sind normaler praktischer.

Bruch Glaubst du, würde das Blü ohne sein Design funktionieren?

Eva Eder Ganz ehrlich? Das Design bestimmt unser Produkt. Es ist essentiell. Wir verkaufen hier ja ein Haus, das – unter Anführungszeichen – nichts hat. Andere Hotels bauen riesige Wellnessbereiche mit großen Pools. Wir haben 76 Zimmer und zwei Saunen mit Aussicht am Dach. Wir haben einen Yogaraum und einen Ruheraum und seit neuestem eine Eiswanne. Wir haben sogar eine richtige Bibliothek. Aber wen interessiert das? Die Leute wollen wissen, ob es einen Pool gibt oder nicht. Wir haben keinen Pool.

Bruch Du meinst, ohne Pool müsst ihr anders punkten?

Eva Eder Genau. Wir müssen uns von den anderen Drei-Sterne-Häusern unterscheiden. Den sichtbaren Unterschied macht das Design.

“Das Design ist zeitlos,
aber durchgeknallt.
Es ist unüblich und
trotzdem richtig.”

Eva Eder, Blü Hotel

Bruch Wie würdest du euer Design beschreiben?

Eva Eder Es ist zeitlos, aber durchgeknallt. Es ist unüblich und trotzdem richtig. Wir können damit die Menschen ansprechen, die designaffin sind, aber günstiger reisen wollen. Davon gibt es viele, ich gehöre selbst dazu. Ich freu’ mich, wenn etwas schön ist, wobei Schönheit ist ja in the eye of the beholder.

Bruch Also ist Design auch ein wirtschaftlicher Faktor für euch?

Eva Eder Sicher! Hätten wir das Hotel einfach weiter Salzburger Hof genannt, wie es früher geheißen hat, und hätten wir es mit einem selbstgeschusterten Branding probiert, könnten wir niemals die Zimmerpreise erzielen, die wir jetzt haben. Niemals. Wir hätten uns auch niemals den Zubau leisten können, wenn es einfach nur der Salzburger Hof rebranded gewesen wäre. Klar, wir haben natürlich unsere tolle Küche und super Mitarbeiter, aber das Design ist die Grundlage von allem. Damit kannst du ein Haus auf eine andere Ebene heben.

Zimmer im Neubau
Essen im Blü

Bruch Umso schöner, dass so viel davon bei euch im Hotel präsent ist.

Eva EderWenn ich durchs Blü gehe, lebe ich wirklich mit eurem Design. Wenn ich durch den Zimmertrakt gehe, liegen da in den Gängen die Teppiche mit dem Logo drauf. Ich kenne sie jetzt seit mehr als vier Jahren und hab’ noch immer eine Freude daran.

Bruch Hoffentlich hält die Freude noch lange an. Danke dir, liebe Eva.

Projekt Details

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